Die OES tauchten in Rußland viel später als in anderen Ländern auf. Und die anfangs importierten Hunde waren kaum von guter Qualität, da diese von Leuten eingeführt wurden, die nur wenig Ahnung von Kynologie hatten. Leider gibt es über lediglich knappe Daten. Bis Rußland der FCI beitrat, waren Zuchtunterlagen separat in jedem einzelnen Klub geführt. Aus diesem Grund kamen da Widersprüche beim Lesen vor. Die Verwirrung konnte man erst nach dem Beitritt der Russischen Kynologischen Föderation (RKF) zur FCI beseitigen. Leider gingen aber die Stammbäume der ersten russischen Bobtails verloren.

Die ersten Bobtails, die je erwähnt waren, wurden nach Rußland (und damals noch in die UdSSR) 1974 aus Grossbritanien importiert. Das waren der Rüde Tommy und die Hündin Jenny. 1979 kam der erste Wurf von ihnen zur Welt. Etwas später wurden eine Hündin aus den USA Jane Chris Moscow Snow-Maiden, ein Rüde aus der Tschechoslovakei Athos z Krumlovska Ruze (Ch. Woodlane’s Elliot – Neva z Akordu) und ein Rüde aus Schweden Swedish Rhapsody (Bobby McGee – Oldash Sea Flicker) eingeführt. Tatsächlich begann die OES-Zucht in Rußland mit diesen Blutlinien. Die Selektion war nicht besonders durchdacht. Das grosse Hindernis war damals die Unmöglichkeit der freien Ausreise der UdSSR-Bürger in das Ausland. Erzwungene Linienzucht führte zur Geburt von Bobtails, die dem Standard nicht entsprachen (lang, schmalköpfig, langbeinig, mit schwacher Pigmentation).

In den 80er Jahren erschienen in Moskau eine Hündin aus Deutschland Raider von den Blue Bobs (Flint v.d. Blue Bobs – Jenny v.d. Blue Bobs), ein Rüde aus Belgien Igbi Du Mas Des Glycines (Paddington Bears Enterprice – Pervenche Des Folles Enterprice), sowie ein Rüde und zwei Hündinen aus Deutschland Aiko, Aira und Aika vom Grauen Bear (Flach vom Salzaspring – Aires v.d. Blue Zottel’s).

Auf diesen Tieren beruhte der gesamte Bestand in Moskau zu dieser Zeit, aber 1985 brachte man eine Hündin aus dem Wurf Swedish Rhapsody x Jane Chris Moscow Snow-Maiden – Gloy Gizi nach Sankt-Petersburg. Von dieser Hündin und von ihrer Kinder von Igbi Du Mas Des Glycines (erster Wurf) Athos z Krumlovska Ruze (zweiter Wurf) stammt der Bobtails-Bestand in Sankt-Petersburg und in der nord-westlichen Region Rußlands. Von der zweiten Kombination kamen zwei schöne Hündinnen zur Welt Peterburg Rabi White und Peterburg Revisanta. Später (28.05.95) stammte aus der Kombination Kail Blue Angle – Peterburg Revisanta eine der besten russischen Hündinnen Int.Ch. Tidy. Leider verstarb sie sehr früh – im Juni 2002, wobei sie ihren einzigen Wurf hinterlies. Ihre Kinder haben aber herrliche Rasseneigenschaften.

1989 führte man den Rüden Guliver Hakar (Underberg aus dem Elbe-Urstromtal – Euridika Hakar) und die Hündin Bibi Junior Floren (Underberg aus dem Elbe-Urstromtal – Cindarella z Plane) aus der Tschechoslowakei ein.

Anfang der 90er Jahre brachte man nach Moskau den Rüden Bonzi Zeno (Bill z Severni Plane – Britt v.d. Lossnitzperle) aus Ungarn, Ch. Jolly Clews HumptyDumpty (Sweet Expression’s Dappere Dodo x Jolly Clews Finaly Fascination) aus Deutschland, den Ch. Insider aus dem Elbe-Urstromtal (Zermatt aus dem Elbe-Urstromtal x Midnight Lady von den Hottentotten) faus Holland und die Hündin Ch. Emma Masovia (Shaggy Danes Nobel Price x Twilight Jersey z Celtycklego Polmroku) aus Polen. Nach Sankt-Petersburg wurde ein Rüde aus Finnland importiert Ch. Grey Coats Love Me Tender (Grey Coats After The King x Air Mail aus dem Elbe-Urstromtal) Diese Hunde trugen wesentlich zur Rassenentwicklung in Rußland bei, obwohl die Zucht immer noch chaotisch war, und die Rassenzüchter fehlten überhaupt. Dennoch erschienen einzelne hervorragende Hunde. So kam 1991 zur Welt einer das in Rußland am meisten mit Titeln geehrte Zuchttier – Int.Ch. Enur (Aton x Cleopatra Glen). In seinem Stammbaum findet man die o.e. Raider von den Blue Bobs und Igbi Du Mas Des Glycines. Er präsentierte die hochwertige russische Zucht auf den ausländischen Schauen, bis jetzt ist er immer noch in guter Form und ab und zu sieht man ihn in den Veteranenringen auf den grössten Ausstellungen, wo er unsere Rasse in Ehren vertritt.

Ende der 90er waren zwei Rüden aus Grossbritanien Ch. Oakfarm Cool Runnings (Lamedazottel Keep Cool x Oakfarm Roxanne) und Ch. Zottels Yours Forever (Lamedazottel Flamboyant x Lamedazottel Only You) und eine Hündin aus Kroatien Tina (Papageno a.d. Alten Noris x Afra) eingeführt.

In der zweiten Hälfte der 90er tauchten erste Hundezüchter auf, die von Rasseenthusiasten in unserem Land angemeldet waren: "Lohmatoe Chudo" (Bez. Sokolova, Moskau), "Andreevskiy Flag" (Bez. Andreeva, Moskau), "Bailain" (Bez. Musina, Moskau), "Pushistoe Volshebstvo" (Bez. Petrakova, Moskau), "Mechta Poeta" (Bez. Filonenko, Smolensk) und "Fairy Snows" (Bez. Stscherbakova, Moskau) u.a.m.. Besonders beachtenswert ist die Zucht "Fairy Snows", ihre Besitzerin Tatjana Stscherbakova lebte ein paar Jahre in Deutschland und kehrte mit ihren Hunden nach Moskau zurück – mit den Rüden Ch. Sweet Expression’s Cheerio Dimple (Stonebrook California Breeze x Sweet Expression’s Tuff Enough) und Ch. Zottels Saturday Nite Fever (Bahlamb’s Back To Basic x Lamedazottel Hello Again), sowie mit der Hündin Peekaboo Deep in my Heart (Lammorick Savoir Faire x Peekaboo Beast Of Burden).

Ch. Zottels Saturday Nite Fever und Tina brachten im Januar 2000 den Wurf, mit dem die schöne Hundin Bamby zur Welt gekommen ist.

Und Anfang 2001 führte man nach Rußland eine Hündin aus Deutschland ein Ch. Glory for Russia from Beautiful Highland (Cathy Clown’s Call To Glorie x Ch. Fergie from Beautiful Highland) die trotz des jungen Alters zur mehrmaligen BOB, BIG- und BIS-Siegerin und Preisträgerin auf den nationalen und internationalen Schauen in Rußland wurde.

Diese Zeit kann man wohl als Wendepunkt bezeichnen. Die Zucht wurde neu angetrieben. Und obwohl es immer noch einen Mangel an Information gab (1999 war das Internet-Projekt BOBTAIL.RU geöffnet, das zur Hauptinformationsquelle für die russischen OES-Besitzer wurde), und die Fellpflege noch lange das vorrangige Problem blieb, erhöhte sich das Interesse für die Rasse.

Zu erwähnen sind auch Verbindungen in den europäischen Ländern. Besonders zu beachten waren zwei Verpaarungen: 1998 deckte man die Hündin Int.Ch. Vanda Gles F’Egor (Irlan Fred Daniel Dance x Bebi Lav Star) mit Int.Ch. Not for Sale aus dem Elbe-Urstromtal und Int.Ch. Karund Zhu Zhu (Oakfarm Cool Runnings x Karund Zhenevieva) war 2002 mit Int. Ch. Argovian all on Board gedeckt. Die Nachkommen offenbarten die Richtigkeit der Kombinationen.

1996 wurde in Rußland der Nationalklub BOBTAIL angemeldet. Dennoch verhindert seine Untätigkeit, der Mangel an gegenseitiger Verständigung und die Ignoranz bei der Anerkennung eigener Fehler die echten Rassenfans zusammenzuhalten. Deswegen geht die Besucherzahl von BOBTAIL Jahressonderschauen von Jahr zu Jahr zurück.

Überdies gibt es in Rußland noch einige alternative kynologische Organisationen. Die grösste davon ist der "Sojuz Kynologitscheskich Organizatsyi Rossii"/SKOR (der Bund kynologischer Organisationen Rußlands). Innerhalb der Organisation ist noch ein Klub registriert. Dieser Klub hat auch mit importierten Hunden zu tun. Normalerweise sind diese Hunde tschechischer Zucht "z Akordu". Dazu kam noch die Hündin aus Grossbritanien Ch. Oakfarm Anastasia (Lamedazottel Keep Cool x Oakfarm Roxanne).

Unsere Rasse ist nicht mehr gering in Rußland vertreten. Im Durchschnitt werden 400 Welpen pro Jahr bei der RKF registriert. Aber nur wenige nehmen an Schauen, insbesondere an grösseren teil.

Die russischen Bobtails-Besitzer beschäftigen sich auch gerne mit Agility, IPO (Internationale Prüfungsordnung für Trials) u.a. Es gibt sogar einen nicht fest angestellten Mitarbeiter des Rettungsdienstes, der Rüde Ch. Big Ben (Sweet Expression’s Cherio Dimple x Binoni Kling Aum).

Bobtails aus Rußland sind schon lange keine Seltenheit mehr auf den internationalen und europäischen Schauen. Eine russische OES Gruppe trat auf der internationalen Schau in Helsinki 1998 auf, und auf der europäischen Schau in Poznan (2000) siegten zwei Hunde aus Rußland: der Rüde - Ch. Zottels Yours Forever, – in der Zwischenklasse – bekam R-CACIB, und die Hündin Int.Ch. Brenda Blue Star (Enur x Bailain) nahm den 3. Platz in der Champion-Klasse ein. 2002 nahm die Hündin aus Rußland Int.Ch. Karund Zhu Zhu Zhu an der Euro-OES-Show in Kulmbach zum ersten mal teil.

Wir hoffen, dass sich der russische OES Bestand von Jahr zu Jahr verbessert und dass die Hunde russischer Zucht auf den grössten europäischen Schauen vertreten und zu Siegern werden. Und dafür versuchen wir aber alle uns Mühe zu geben. Und wir hoffen, dass wir es schaffen.

Victor und Evgenia Petrakovy
june 2003

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